Vom Kakaofeld zur Schokolade – was ich in Peru gelernt habe
Ein Erfahrungsbericht des Freiwilligen Leonhard über sein Freiwilliges Soziales Jahr bei Caritas Medre de Dios in Peru.
Administration
Mit der habe ich nur sehr wenig zusammengearbeitet, da es viel um die Beantragung von Fördergeldern und die Planung von neuen Aktivitäten geht. Manchmal habe ich beim Ausfüllen von Dokumenten geholfen, das war es dann aber auch schon.
Unterstützung für Hilfesuchende
Dabei geht es oft um Hilfe bei bürokratischen Handlungen, aber auch um Unterstützung bei der Wohnungssuche oder kostenlosen medizinischen Behandlungen für Einwanderer. Da ich auch in den bürokratischen Bereichen nicht besonders von Hilfe bin, haben sich meine Tätigkeiten in diesem Bereich vor allem auf das Sortieren von Lagerräumen sowie das Transportieren und das Auf- und Abladen von Gegenständen beschränkt. Zum Beispiel haben wir Matratzen aus einem alten Rentenheim in eine Suchtklinik gebracht oder gespendetes Essen in Rentenheime gebracht. Außerdem bestand auch die Möglichkeit, im Altersheim zu arbeiten, was ich jedoch nur einmal gemacht habe.
Ökologischer Part
Der ökologische Teil in Caritas Madre de Dios hat mir am meisten Spaß gemacht, weil man dort viel lernen konnte, viel mit Pflanzen gearbeitet hat und sich gleichzeitig körperlich betätigt hat. Außerdem war er sehr abwechslungsreich, da man immer neue Sachen gesehen hat und immer wieder verschiedene Aktivitäten und Trips gemacht wurden.
Den größten Teil der ökologischen Arbeit nahm das „Vivero“ in Anspruch. Dort ließen wir Kakao, Acai, Zitrusbäume und noch viele andere einheimische Baumarten heranwachsen, um sie dann entweder an die Native Communities zu schenken oder an Bauern zu verkaufen. Dort übernahmen wir jede mögliche Arbeit: das Einpflanzen der Bäume, das Säubern des Gebietes, das Auffüllen der Pflanzsäcke mit Erde, das Verkaufen der Pflanzen und noch einiges mehr. Die Arbeit war teilweise echt körperlich sehr anstrengend und bei der Hitze hat man sich öfter echt totgeschwitzt und hatte eigentlich nicht mehr so viel Bock. Aber wenn ich es jetzt im Nachhinein betrachte, hat es eigentlich echt sehr Spaß gemacht.
Der allercoolste Teil war jedoch das Besuchen der Native Communities. Dort fuhren wir oft mit Pekpeks über den Fluss hin. Auf den Fahrten fuhr man durch tiefen Dschungel und sah viele verschiedene Tiere wie einen Tapir, eine Riesenanakonda, aber auch viele Aras.
In den Communities hat Caritas immer unterschiedliche Projekte. Einmal sind wir in jede einzelne Community gefahren und haben auf den Chakras verschiedene Pflanzenarten gepflanzt, damit keine Monokulturen entstehen. Die am weitesten entfernte Community war mit einer zweitägigen Bootsfahrt zu erreichen. Sie ist so tief im Dschungel, dass man sie, wenn man Pech hat, gar nicht erreichen kann. Weil dort auch feindliche No-Contact-Völker leben, die öfter auch die Community angreifen, ist es zu bestimmten Zeiten zu gefährlich, diese Community zu besuchen.
Manchmal hat Caritas auch eher informative Projekte für die Communities, dann kümmerte ich mich um die Kinder und spielte mit ihnen Fußball oder Volleyball.
„Coopssur“
Coopssur gehört nicht direkt zu Caritas und ist nur eine Schwesterfirma. Sie ist eine Kakao-Alternative, die von der Regierung gefördert wird. Wenn Bauern ihren Kakao an sie verkaufen, bekommen sie bessere Erntewerkzeuge und andere Hilfsmittel. Jedoch müssen sie dafür auch bestimmte Richtlinien einhalten, die das Ernten von Kakao umweltfreundlicher machen. Zum Beispiel dürfen die Bauern keine neuen Gebiete des Regenwaldes abbrennen, um mehr Kakao anzubauen, oder ihre Kakaofelder dürfen keine Monokultur sein.
Die Arbeit, die ich für Coopssur gemacht habe, war das Kontrollieren der Richtlinien für die Bauern, aber auch das Unterstützen der Bauern beim Ernten.
Meistens jedoch eher das Abholen der Kakaosäcke und das Weiterverarbeiten. Dazu gehört das Fermentieren des Kakaos, das Trocknen der Kakaobohnen und das Aussortieren von schlechten Kakaobohnen.
Bei der Arbeit mit Kakao habe ich viel über die Herstellung von Schokolade gelernt. Ich habe gesehen, wie viel harte Arbeit wirklich dahintersteckt, damit wir in Europa unsere Schokolade essen können. Mir ist besonders bewusst geworden, wie ungerecht die globale Produktion ist. Wir als Verbraucher profitieren, aber viele Menschen auf den Plantagen arbeiten unter schwierigen Bedingungen und bekommen dafür sehr wenig Geld. Dadurch ist mir das Prinzip von globaler Ausbeutung erneut in den Sinn gekommen. In Zukunft möchte ich bewusster handeln. Ich will gezielt fair gehandelte Produkte unterstützen und mein eigenes Konsumverhalten kritisch hinterfragen. Das bedeutet vielleicht, mehr Geld auszugeben.
Die meiste Zeit habe ich im Vivero verbracht. Dort habe ich mit Toribio und meinem Mitfreiwilligen Maik verschieden Pflanzen großgezogen, und die Umgebung instand gehalten. Sonst gab es auch immer viel Arbeit bei COOPSSUR. Bei der es meistens darum ging, beim Auf- oder Abladen von Kakao säcken zu helfen. Diese Arbeit hat mir gezeigt, wie anstrengend es ist, eine Tafel Schokolade herzustellen und hat ein ganz neues Bewusstsein für faire Preise bei mir hervorgerufen.
Leben in Puerto Maldonado
Nach der Arbeit habe ich meine Freizeit meistens mit Freunden verbracht. Wir sind oft gemeinsam Fußball oder Volleyball spielen gegangen. Wenn niemand Zeit hatte, bin ich stattdessen ins Fitnessstudio gegangen. Ab und zu haben wir uns auch getroffen, um gemeinsam Catan zu spielen. Dadurch konnte ich nach der Arbeit gut abschalten und hatte einen schönen Ausgleich zu meinem Arbeitsalltag.
Mein Fazit
Mein FSJ in Peru war eine unglaublich besondere Zeit für mich, in der ich bei Caritas arbeiten und das Leben in Puerto Maldonado kennenlernen durfte. Besonders die Menschen sind mir dort sehr ans Herz gewachsen und bei Caritas hat es sich für mich schnell wie in einer zweiten Familie angefühlt. Die gemeinsame Arbeit und der Alltag mit meinen Freunden haben mir sehr viel Freude bereitet. Ich bin sehr dankbar für all die Erfahrungen und Begegnungen, die ich mitnehmen durfte. Wenn ich die Entscheidung noch einmal treffen müsste, würde ich mich aufjedenfall wieder für ein FSJ entscheiden.
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- Veröffentlicht am: 14. Oktober 2026
- Autor: ADRAlive!- Freiwillige


