Nuestro Hogar – wie ich in Peru ein zweites Zuhause fand
Ein Erfahrungsbericht der Freiwilligen Natalie über ihr Freiwilliges Soziales Jahr bei Nuestro Hogar, Peru.
Arequipa, eine Stadt in den Anden Perus. Umgeben von drei eindrucksvollen Vulkanen, einer trockenen Luft und einem Klima, das dreiviertel des Jahres dem Frühling gleicht. Und inmitten dieser Umstände durfte ich 12 Monate leben, lernen und arbeiten. Durch weltwärts und ADRA bin ich damit einen großen Schritt raus aus meiner Komfortzone getreten hinein in eine Welt, die mir vorher völlig unbekannt war, aber den ich immer mehr lieben gelernt habe.
Die Arbeit in meiner Einsatzstelle „Nuestro Hogar“
Als weltwärts und ADRA-Freiwillige bin ich ein Jahr Teil der Kindertagesstätte „Nuestro Hogar“ (Unser Zuhause) gewesen und durfte die Lehrerinnen dort bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Das bedeutete am Vormittag: Kleinkinder betreuen, viel Spielen und bei kurzen Unterrichts- und Sporteinheiten mithelfen und am Nachmittag stand immer Hausaufgabenbetreuung der Schulkinder und Spielen im Park auf dem Plan.
Nuestro Hogar ist ein Ort für Kinder von 2 bis 17 Jahren, an dem sie Betreuung, ein vollwertiges Mittagessen, Unterstützung bei den Hausaufgaben, Förderung in Sachen Bildung und psychologische Betreuung erhalten. Die Institution wird aktuell von ca. 50 Kindern besucht und sie richtet sich vor allem an einkommensschwache Familien oder alleinerziehende Elternteile, die auf die Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind, um selbst arbeiten gehen zu können. Das Ziel ist es, den Kindern somit die Chancen auf eine bessere Zukunft zu ermöglichen und Bildungsungerechtigkeit abzubauen.
Für mich war die Arbeit, vor allem mit Kleinkindern eine neue Erfahrung, doch ich habe mich sehr schnell eingelebt, mitunter wegen der herzlichen und offenen Art der Mitarbeiter, mich und meine Mitfreiwillige so lieb aufgenommen haben in die kleine Familie von Nuestro Hogar.
Die peruanische Kultur lieben lernen
Die Arbeit war auch wie eine Tür, um die peruanische Kultur kennenzulernen. Einerseits durch das Mittagessen, was auch für uns Mitarbeiter zubereitet wurde – denn Essen ist ein sehr großer und wichtiger Teil Perus. Und eng damit verknüpft der Aspekt, dass ganz viel gefeiert bzw. zelebriert wird. Das konnte ich ganz oft von den Kindern und ihren Hausaufgaben erfahren oder durch die Themen, die wir mit den Kleineren besprochen haben. So habe ich nämlich gelernt, dass über Weihnachten und Silvester hinaus Tage, die bei uns einfach unbeachtet im Kalender existieren, in Peru ein Grund sind sich in Gemeinschaft als Familie oder Freunde zu treffen, gut zu essen und zu feiern. Beispielsweise der Tag der Freundschaft, Muttertag, oder sogar der Tag des (Schul-) Kindes oder sonst eins der zahlreichen kulturellen Feste. Diese Feierkultur hat mich total begeistert und möchte ich auch für mein künftiges Leben mitnehmen. Da finde ich passt der Spruch sehr gut „Leben ist das mit der Freude und den Farben, nicht das mit dem Ärger und dem Grau“. Das verkörpert für mich Peru. Bunt, lebendig und es feierte das Leben und die Menschen, die Teil davon sind.
Weitere Eigenheiten der Peruaner, sei es Zeit nicht ganz so eng zu sehen oder beim Markteinkauf oder im Café einfach mal ein kurzes Schwätzchen abzuhalten mit Fremden, als wären es alte Freunde, haben mich am Anfang etwas Überwindung und Akzeptanz gekostet. Doch vor allem Letzteres hat meine Offenheit und Smalltalk-Kompetenz auf ein anderes Level gebracht. Zum Ende hat es mir sogar aufrichtig Freude bereitet, einen Moment länger meiner Zeit zu geben, um ein nettes Gespräch zu führen, das als Resultat einfach ein Lächeln geschenkt und eine angenehme Atmosphäre für alle Beteiligten geschaffen hat. Das fand ich einfach toll.
Um es auf den Punkt zu bringen – ich hatte ein so positives und geniales Jahr, das mich unglaublich geprägt hat und aus dem ich ganz viel für meine Zukunft mitnehmen werde. Genauso schön es war, genauso schwer fiel auch der Abschied von meinem neuen Zuhause (und wie schön, dass ich in der Einsatzstelle mit dem Namen „Nuestro Hogar“ – „Unser Zuhause“ gearbeitet habe), das ich auf der anderen Seite der Welt gefunden habe. Und diese Erfahrung hinterlässt einfach nur pure Dankbarkeit und die Hoffnung, dass viele Menschen von dieser Begeisterung angesteckt und ermutigt werden, selbst einen Schritt raus aus ihrer Komfortzone in Richtung „weltwärts“ zu gehen.
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- Veröffentlicht am: 14. Oktober 2026
- Autor: ADRAlive!- Freiwillige


