Das Team von Camino Verde präsentiert bei einer Saatgutmesse verschiedene Setzlinge, Samen und Früchte aus dem Amazonasgebiet

Ein Jahr im Amazonas: Mein Freiwilligendienst bei Camino Verde in Peru

Ein Erfahrungsbericht der Freiwilligen Jarven über ihr Freiwilliges Soziales Jahr bei Camino Verde in Peru.

Ein Jahr lang habe ich im peruanischen Regenwald gelebt und gearbeitet. Ich habe meinen Freiwilligendienst bei Camino Verde in Peru absolviert und möchte euch hier davon erzählen.

Camino Verde ist eine gemeinnützige Organisation im peruanischen Amazonasgebiet, die sich für den langfristigen Schutz des Regenwaldes einsetzt. Ihr Ansatz verbindet Naturschutz mit nachhaltiger Entwicklung: Ziel ist es, den Menschen vor Ort durch umweltfreundliche Einkommensmöglichkeiten eine Perspektive zu bieten und so den Regenwald dauerhaft zu erhalten.

Die Organisation bewirtschaftet Waldflächen, Baumschulen und Aufforstungsgebiete in der Region Madre de Dios und arbeitet eng mit indigenen Gemeinden zusammen. Im Mittelpunkt stehen Agroforstsysteme, die Landwirtschaft und Waldschutz miteinander verbinden, die Artenvielfalt fördern und nachhaltige Einkommensquellen schaffen. Darüber hinaus setzt sich Camino Verde für den Erhalt bedrohter Baumarten wie Palo Rosa sowie für nachhaltige Imkerei mit einheimischen Bienen ein.

Arbeiten und leben mitten im Amazonas

Während meines Freiwilligendienstes arbeitete ich an der Baltimori-Station in der Region Madre de Dios. Dort unterstützte ich die Organisation bei vielfältigen praktischen Aufgaben – von der Arbeit in der Baumschule und den Agroforstsystemen über die Kakaoverarbeitung, die Ernte verschiedener Früchte und die Tierpflege bis hin zu organisatorischen Tätigkeiten sowie Reparaturen, Bauarbeiten und der Instandhaltung des Camps. Die abwechslungsreiche Arbeit ermöglichte mir spannende Einblicke in nachhaltige Landwirtschaft, Wiederaufforstung und den Schutz des Amazonas-Regenwaldes.

Mein Freiwilligendienst bei Camino Verde war eine der prägendsten Erfahrungen meines Lebens. Die vergangenen Monate waren voller neuer Eindrücke, Herausforderungen und unvergesslicher Begegnungen. Ich durfte nicht nur eine faszinierende Landschaft und eine neue Kultur kennenlernen, sondern auch Teil eines offenen und engagierten Teams werden, das mir von Anfang an Vertrauen entgegenbrachte und Verantwortung übertrug.

Was ich über wirksamen Naturschutz gelernt habe

Während meiner Zeit im Amazonas habe ich viele praktische Fähigkeiten erlernt und wichtige Einblicke in nachhaltige Agroforstwirtschaft sowie den Schutz des Regenwaldes erhalten. Besonders beeindruckt hat mich die Erkenntnis, wie eng Umweltzerstörung mit sozialen und politischen Ursachen verbunden ist. Die Zerstörung des Regenwaldes entsteht nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil wirtschaftliche Alternativen fehlen. Es handelt sich hierbei um ein systemisches Problem und nicht um das Versagen Einzelner. Gleichzeitig wurde mir deutlich, dass wirksamer Naturschutz nur dann gelingen kann, wenn ökologische, soziale und wirtschaftliche Lösungen gemeinsam gedacht werden und nachhaltige Alternativen zu Rodung und Minenarbeit geschaffen werden.

Das Leben und Arbeiten mitten im Regenwald, weit entfernt von der gewohnten Zivilisation, war eine sehr besondere Erfahrung. Die Abgeschiedenheit und der Verzicht auf ständigen Konsum haben mich dazu gebracht, meine eigenen Gewohnheiten und Vorstellungen zu hinterfragen. Gerade als jemand, der aus einer Großstadt kommt, war es zunächst eine Herausforderung, nicht jederzeit alles verfügbar zu haben und stärker auf die Gemeinschaft sowie auf die eigenen Fähigkeiten angewiesen zu sein.

Diese Erfahrung hat mich auch persönlich verändert. Ich habe meine Komfortzone immer wieder verlassen, neue Herausforderungen angenommen und viel über mich selbst gelernt. Von der anfänglichen Sprachbarriere bis hin zu ungewohnten praktischen Aufgaben habe ich Dinge gemeistert, die ich mir vorher nicht zugetraut hätte. Auch schwierige Momente wie Krankheit, Unsicherheiten oder das Vermissen von Familie und Freunden waren Teil dieser Reise und haben mich letztendlich selbstständiger, offener und widerstandsfähiger gemacht. All diese Erfahrungen haben in mir ein Bewusstsein für Dinge geschaffen, die ich von zu Hause aus weder sehen noch verstehen konnte.

Eine Erfahrung, die bleibt

Vor allem aber habe ich gelernt, dass Naturschutz nur gemeinsam mit den Menschen gelingen kann, die unmittelbar von den Veränderungen betroffen sind. Dieses Verständnis wird mich auch in Zukunft begleiten und motiviert mich, mich weiterhin mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen auseinanderzusetzen und andere dafür zu sensibilisieren.

Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, Teil von Camino Verde gewesen zu sein. Dieser besondere Ort und die Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, werden für mich immer einen festen Platz in meinem Herzen haben. Die Erfahrungen und Erinnerungen aus meinem Jahr in Peru werden mich noch lange begleiten und meinen weiteren Lebensweg nachhaltig prägen.

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