Ein albanisches Jahr
Ein Erfahrungsbericht der Freiwilligen Elisa über ihr Freiwilliges Soziales Jahr bei EcoAlbania.
Tirana ist laut, chaotisch, voller Gegensätze. Und in all dem liegt eine tiefe Gelassenheit, die den Alltag der Menschen
prägt und das albanische Lebensgefühl widerspiegelt. Obwohl mir Großstadt häufig zu viel ist, habe ich Tirana schnell in
mein Herz geschlossen und die Zeit sehr genossen. Die Menschen sind unglaublich herzlich, offen, hilfsbereit, geduldig,
entspannt und geben einem sofort das Gefühl, willkommen zu sein.
Meine Arbeit bei EcoAlbania
Als Freiwillige arbeitete ich bei der Umweltschutzorganisation EcoAlbania mit. In Tirana half ich im Büro, wo ich Einblicke in
die Arbeit einer NGO erhielt. Ich durfte meine Kolleginnen zu verschiedenen Meetings und Messeständen begleiten, nahm
an Aktivitäten teil und, da das auch dazu gehört, schrieb anschließend Berichte. Zudem half ich bei der Social-Media-Arbeit
und erstellte regelmäßig Instagram-Posts.
Ein Hauptanliegen ist der Schutz der Vjosa, einer der letzten europäischen Wildflüsse. Das Tolle ist, dass ich bei
EcoAlbania die Möglichkeit hatte, mehrere Wochen dort vor Ort zu arbeiten. In Tepelena gibt es ein Aufforstungsprojekt,
welches ich während dieser Zeit unterstütze. Dort ist man als Freiwillige bei allen Aufgaben eine große Hilfe, vom Pflegen
der Baumschule (Bäume ausgraben, Cuttings schneiden, einpflanzen, Unkraut jäten, umgraben, etc.) bis hin zum
Einpflanzen in ausgewählten Uferabschnitten, die leider mitunter stark von Erosion betroffen sind. Das schöne an der
Arbeit vor Ort ist meiner Meinung nach auch, dass die eigene Arbeit sichtbar ist und man direkt einen Beitrag leistet.
Außerdem bekommt man dadurch die Möglichkeit, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land zu leben. Gerade das
Landleben ist nochmal ganz besonders. Nachbarschaft und Gastfreundschaft lernt man erst hier richtig kennen. Tirana
dagegen ist jung und das kulturelle Zentrum Albaniens.
Lebensgefühl
Was mich vermutlich am meisten geprägt hat, ist das Lebensgefühl. Menschen sind herzlich, man nimmt sich Zeit, trinkt
zusammen einen Kaffee und alles läuft ein bisschen entspannter ab. Das Leben ist entschleunigt. Das ist etwas, was ich versuchen möchte, in Zukunft beizubehalten. Ich habe für mich gelernt, wie ein stressfreier Alltag aussieht und wie gut das
mir tut.
Wenn ich an das Jahr zurückdenke, denke ich natürlich auch an meine Arbeit und all die Orte, die ich entdecken konnte.
Aber in erster Linie denke ich an viele herzliche Begegnungen und eben dieses Lebensgefühl. Denn das ist, was Albanien
für mich am allermeisten auszeichnet.
Ein vergessenes europäisches Land
Als ich Leuten erzählte, dass ich nach Albanien gehen würde, bekam ich entweder „Was willst du denn da, gibt es da nicht
total viel Kriminalität?“ oder „oh ja, Albanien soll wunderschöne Natur haben“ zu hören. Ersteres stimmt überhaupt nicht,
ich habe mich dort meistens sicherer gefühlt als in Deutschland. Natur wie dort findet man nicht so häufig in Europa,
zumindest nicht auf so engem Raum. Sogar in der Landschaft ist das Land so gegensätzlich.
Was ich eigentlich sagen will ist, dass die meisten Menschen kaum etwas über Albanien wissen. Für viele ist es, wie ein
weißer Fleck auf der Landkarte, manche haben es jetzt als günstige, neue touristische Destination im Kopf. Manchmal
hörte ich noch, „war das nicht alles Jugoslawien da unten?“ (Nein, Albanien war nie Teil Jugoslawiens). Gerade diese
Unwissenheit über Albanien, ein europäisches Land, noch dazu Beitrittskandidat für die EU, macht es so spannend, dass
Land mit all seinen Aspekten kennenzulernen. In den nächsten Jahren wird sich Albanien weiter rasant entwickeln, ich bin
gespannt, in welche Richtungen und genau deshalb sehr froh, jetzt dort gewesen zu sein. Wir werden sicherlich in Zukunft
häufiger von diesem kleinen europäischen Land in den Nachrichten hören, wie es schon jetzt aufgrund der „Flamingo-
Revolution“ der Fall ist.
Albanien ist noch so viel mehr. Ein Land geprägt von Armut und Reichtum, Land- und Stadtleben, Tradition und Tourismus,
Geschichte und nach vorne schauen. Für mich ist es Heimat geworden und dafür bin ich unendlich dankbar.
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- Veröffentlicht am: 31. Juli 2026
- Autor: ADRAlive!- Freiwillige


